Skurrile Tanzsprache, virtuose Zirkusartistik und moderne Klangtüftlerei lassen ein einzigartiges Universum aus poetischen Bildern mit feinem Humor entstehen. Erzählt wird von der Unmöglichkeit einer wirklichen Begegnung. Alles nur ein absurder Traum, oder Alptraum?

Auf dem schwebenden Bühnenboden stehen eine gefährlich steile Rampe und ein einsamer Turm, nur schwach beleuchtet von einer alten Strassenlaterne. Das Bühnenbild von „Attache“ eröffnet eine Welt in der kaum etwas senkrecht oder waagrecht bleibt, wo die Darsteller den Boden unter den Füssen verlieren und versuchen in der nächsten Dimension Halt zu finden um sich zu begegnen.

Sie sind zu dritt, mit der Strassenlaterne zu viert. Die Tänzerin, eine melancholische Figur, verstrickt sich in ihre Hülle, die hängenbleibt und den Körper zu einer manipulierbaren Skulptur werden lässt. Ihr Gegenüber, ein verspielter Zirkusartist, neugierig und freiheitsbesessen, wirbelt in seinem immer grösser werdenden Rad über die Bühne und kommt doch nicht weiter als bis zum Bühnenrand. Zurückgezogen und doch mitten im Geschehen der Klangtüftler, der mit seinen abenteuerlichen metallischen Installationen Geräusche aus allen Winkeln der Bühne lockt. Einen eigenwilligen Soundtrack, zwischen brachialen Industrieklängen und einlullender Sphärenmusik.

Ein jeder gibt alles, um den anderen zu finden, in akrobatisch-tonaler Besessenheit, extrem beharrlich und schön. Dies lässt selbst die Straßenlaterne nicht unbewegt. Gemeinsam und doch einsam kreisen sie, alle vier, um einander und um sich selber.

Eine eigene Form der zeitgenössischen Tanzsprache, von der Horizontal- bis in die Vertikalebene, mischt sich elegant mit physischem Theater und der akrobatischen Disziplin des Cyr Rades. Authentizität gibt dem Stück seine berührende Kraft. Die phantasievolle Umsetzung, eine Mischung aus alltäglichen Situationen und illusorischen Bildern mit magischem Realismus, lässt den Zuschauer nicht ohne ein Schmunzeln nach Hause gehen.

Ob die Figuren sich am Ende nun wirklich begegnen, lassen Phantasie und Interpretationsfreiheit offen.